Netzintegration
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Das Stromnetz ist überlastet. Und jetzt?

Die Grenzen unseres Stromnetzes sind erreicht. Wenn man dann noch bedenkt, dass wir, um unsere Klimaziele zu erreichen, immer mehr Strom verbrauchen, versteht man: Wir haben ein Problem. Das niederländische Stromnetz ist überlastet. Großkunden und nachhaltige Projekte haben es schwer, einen Anschluss zu bekommen. Aber wie sieht das wirklich aus? Und gibt es Lösungen? Das können Sie in diesem Artikel nachlesen.


So funktioniert unser Netz

In den Niederlanden ist das Stromnetz so ausgelegt, dass ein konstanter Stromfluss gewährleistet ist. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 12 Monate im Jahr. Dazu müssen Angebot und Nachfrage nach Energie immer im Gleichgewicht sein.

Beginnen wir bei den Grundlagen. Das Hochspannungsnetz transportiert den Strom vom Ort der Erzeugung (z.B. Solarpark) über das Mittelspannungsnetz zum Ort des Verbrauchs (Kaffeemaschine des Nachbarn). Alle diese Netze müssen also im Gleichgewicht sein und bleiben.

Das Netz ist voll

Wenn mehr Strom nachgefragt oder angeboten wird als Netzkapazität vorhanden ist, gerät unser Netz aus dem Gleichgewicht. Es kommt zu Staus. Wir nennen das Netzengpass: Unser Netz ist dann zu voll. Das Problem der Netzüberlastung in den Niederlanden betrifft hauptsächlich unser Hoch- und Mittelspannungsnetz.

Netzspezialist Wannes Devillé: "Wir verwenden den Begriff ' voll', um anzuzeigen, dass Angebot und Nachfrage nicht im Gleichgewicht sind. Das bedeutet, dass ein 'volles' Netz eine Momentaufnahme ist." Eine Momentaufnahme mit gravierenden Folgen: Für einen (größeren) Anschluss landet man in der Warteschlange. Vor allem große Energieverbraucher und -versorger leiden unter unserem überfüllten Netz.

Kapazitätskarte des Stromabnehmernetzes | Netbeheer Nederland

Umgehung von Netzengpässen

An der Verstärkung des Netzes wird hart gearbeitet. Eine physische Erweiterung und Verstärkung der Kapazität. Nur" durch die Verlegung zusätzlicher Kabel und Transformatoren. Aber unser Verbrauch und unser Angebot an Energie steigen schneller, als Kabel verlegt werden können. Es sind also mehr Lösungen erforderlich.

"Diese Sackgasse muss durchbrochen werden", meint Wannes Devillé, Sr. Grid Specialist bei Novar. "Wir müssen den vorübergehenden Kapazitätsmangel überbrücken. Darin liegt eine gemeinsame Herausforderung." Die Lösung liegt vor allem darin, unser Stromnetz flexibler zu gestalten. So können wir leichter auf Angebots- und Nachfragespitzen reagieren. Es gibt mehrere Möglichkeiten für Unternehmen, Netzengpässe zu umgehen - und dem Netz zu "helfen":

  1. Steuern Sie Ihren Energieverbrauch: Wir können den Energieverbrauch an die Verfügbarkeit von Strom anpassen. Zum Beispiel, indem wir Geräte einschalten, wenn Sonnen- oder Windenergie im Überfluss vorhanden ist. Oder indem wir Geräte vorübergehend abschalten, um Lastspitzen zu vermeiden. Dies kann mit einem Energiemanagementsystem geschehen.
  2. Speichern Sie Ihren Strom: Batterien und andere Speichermethoden können einen Überschuss an Energie speichern und genau dann abgeben, wenn es zu einem Engpass kommt.
  3. Wandeln Sie Strom in andere Energieformen um: Sie können überschüssigen Strom auch in andere Energieformen umwandeln. Zum Beispiel in Wärme oder Wasserstoff. Das nennt man Umwandlung. Damit sind Sie als Unternehmen weniger abhängig von der Versorgung mit Energie aus erneuerbaren Quellen.
  4. Weniger verbrauchen, wenn das Netz überlastet ist: Mit einem Kapazitätsbegrenzungsvertrag (CBC) passen Sie Ihren Stromverbrauch flexibel an die verfügbare Kapazität des Netzes an. Damit helfen Sie dem Netzbetreiber. Gegen einen finanziellen Ausgleich reduzieren Sie Ihren Energieverbrauch in Zeiten der Überlastung vorübergehend.
  5. Teilen Sie Ihren Netzanschluss: Mit "Cable Pooling" können Sie die Erzeugung aus verschiedenen Energiequellen in einem Netzanschluss kombinieren. Zum Beispiel Sonnenkollektoren und eine Windturbine. So können Sie die verfügbare Netzkapazität optimal nutzen. Außerdem sparen Sie Anschlusskosten und Kosten für den Netzbetreiber.
  6. Strom direkt an einen Großkunden liefern: Mit einer Direktleitung liefern Sie in Echtzeit erzeugten Strom an einen Großverbraucher in der Nähe. Auf diese Weise müssen Sie nicht auf das allgemeine Stromnetz zurückgreifen. So können Sie Ihre Energie loswerden.  
  7. Arbeiten Sie mit anderen Unternehmen zusammen: Bei einem Gruppenvertrag schließen Sie und mehrere Unternehmen einen gemeinsamen Stromvertrag mit dem Netzbetreiber ab. Dies wird auch als "Energiedrehscheibe" bezeichnet. Eine Frage des intelligenten Managements und der effizienten Nutzung.

Die Zukunft

Es zahlt sich aus, in nicht standardisierten Lösungen zu denken. Wie die Realisierung eines geschlossenen Vertriebssystems. Solche Lösungen erfordern eine Menge Zusammenarbeit. Technisch und rechtlich ist vieles möglich. Aber das bringt finanzielle, rechtliche und politische Herausforderungen mit sich. Das zeigt das Projekt Hollandia Vloeivelden. Mark Mijnen, Energy & Portfolio Specialist bei Avebe: "Finanziell und rechtlich war es ein sehr anspruchsvolles Projekt. Zum Beispiel in Bezug auf die Haftung und den Transportvertrag. Das mussten wir gemeinsam gut regeln."

Die Überlastung der Netze wird noch eine Weile andauern. Zum Glück können Sie mit den richtigen Maßnahmen Ihr Energiemanagement in den Griff bekommen. Außerdem tragen Sie damit zu einem zuverlässigen und nachhaltigen Stromnetz bei, jetzt und in Zukunft.

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